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Mittwoch, 17. Februar 2010

Schlafstudie: Ältere sind trotz kurzer Nachtruhe tagsüber fit

Das Schlafbedürfnis sinkt mit dem Alter. Dies haben britische Forscher in einer Studie beobachtet. Verblüffenderweise sind ältere Menschen trotz der kürzeren Nächte tagsüber putzmunter und weniger schläfrig als junge.
Napoleon soll mit nur vier Stunden Nachtruhe ausgekommen sein, große Denker wie Goethe oder Einstein waren hingegen ausgesprochene Langschläfer. Eine Studie der University of Surrey in England hat nun gezeigt, dass ältere Menschen im Durchschnitt mit einer 40 Minuten kürzeren Nacht auskommen als jüngere.
66- bis 83-Jährige schlafen im Schnitt sechseinhalb Stunden, schreibt das Forscherteam von Derk-Jan Dijk im Fachblatt "Sleep". 40- bis 55-Jährige kommen auf sechs Stunden und 50 Minuten, die jüngste Gruppe der 20- bis 30-Jährigen auf sieben Stunden und 13 Minuten. Der Unterschied zwischen den Ältesten und den Jüngsten liegt bei immerhin 43 Minuten.
Erstaunlicherweise fühlten sich die Älteren tagsüber im Schnitt weniger oft müde als die Jüngeren. "Unsere Ergebnisse bestätigen die These, dass es bei älteren Menschen nicht normal ist, tagsüber schläfrig zu sein", sagte Dijk.
Die Wissenschaftler hatten das Schlafverhalten von 110 gesunden Erwachsenen ausgewertet, die nicht über Schlafstörungen klagten. Ältere Menschen wachen der Studie zufolge während der Nacht häufiger auf. Auch die Tiefschlafphasen werden mit dem Alter kürzer.
Um die Schläfrigkeit am Tag zu messen, mussten sich die Probanden in bequemer Position auf ein Bett legen und versuchen einzuschlafen. Bei den Jüngeren klappte dies nach durchschnittlich neun Minuten, Ältere benötigten hingegen 14 Minuten.
Die Wissenschaftler glauben, dass ihre Erkenntnisse auch bei der Behandlung von Schlafstörungen älterer Menschen berücksichtigt werden sollte. Wenn diese über Schlaflosigkeit klagten, könne diese auch mit dem verminderten Schlafbedürfnis in Zusammenhang stehen, das vielen nicht bewusst sei. Unter Umständen könnte in solchen Fällen eine strikte Schlafbegrenzung helfen.
Ausreichender Schlaf ist sehr wichtig für die Gesundheit. Wer täglich weniger als sieben Stunden schläft, hat ein dreimal höheres Schnupfenrisiko als ein Langschläfer. Zu kurze Nächte können zudem die Gefahr von Depressionen erhöhen. Als besonders gefährdet müssen demnach Workaholics gelten, denn sie schlafen besonders wenig. Allerdings ist kurzer Schlaf nicht zwingend schlecht: Das Schlafbedürfnis variiert von Mensch zu Mensch.
hda/AFP

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,675198,00.html, 08.02.2010

Montag, 8. Februar 2010

Mäuse riechen Krebs im Urin

Schon in mehreren Untersuchungen seit 2002 haben Hunde bewiesen, dass sie Tumore mit ihrem Geruchssinn aufspüren können. So erschnüffelten die Vierbeiner Lungenkrebs im Atem von Patienten und Hautkrebs selbst durch Kleidung hindurch. Eine noch erstaunlichere Leistung erbrachten nun allerdings Mäuse aus dem Labor von Koichi Matsumura am Monell Chemical Senses Center in Philadelphia (Pennsylvania): Die Nager erkannten Artgenossen mit Lungenkrebs durch Schnuppern an deren Urin.

Hunde wie Mäuse kommunizieren über Duftsignale in ihren Ausscheidungen. Sie sind daher von Natur aus gut darin, noch feinste Spuren organischer Moleküle im Urin an dessen Geruch zu bemerken. Krebszellen produzieren mit ihrem entarteten Stoffwechsel viele biologische Substanzen in veränderter Konzentration. Das sollte sich auch in der Zusammensetzung von Blut und Harn niederschlagen, so die Vermutung der Forscher. In einem ersten Versuch trainierten sie daher Labormäuse darauf, künstlich mit Lungenkrebs infizierte Artgenossen an deren Urin zu erkennen. Die Trefferquote der Tiere lag schließlich bei rund 70 Prozent, auch wenn die Tumore nur eine Woche alt waren.

Was die Mäuse dabei erkannten, untersuchte Matsumuras Team in vergleichenden chemischen Analysen der Harnproben von gesunden und kranken Mäusen. Bei mehreren Hormonen und Stoffwechselprodukten fanden sich deutliche Unterschiede. In einem Test konnten die Forscher anschließend 47 von 50 infizierten Tieren korrekt erkennen. Gleiches beim Menschen zu erreichen sei jedoch deutlich schwerer, so Matsumura, denn die Stoffwechsel von Personen unterschieden sich viel stärker als die der Versuchstiere. Auch kamen bei den Experimenten nur zwei bekannte Krebsstämme zum Einsatz, während tatsächlich die verschiedensten Unterarten existieren.

Quelle: http://www.spektrum.de/artikel/1020479&_z=798888, 27.01.2010, von Ralf Strobel

Dienstag, 12. Januar 2010

Die Frage des Jahres 2010 - Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?

An diesem Freitag veröffentlicht der amerikanische Literaturagent John Brockman die Frage des Jahres 2010: Wie verändern Internet und vernetzte Computer die Art, wie wir denken? Im Kern der Diskussion steckt die Frage des Wissenschaftshistorikers George Dyson: „Sind der Preis für Maschinen, die denken, Menschen, die es nicht mehr tun?“
Brockman, der einige der wichtigsten Wissenschaftler der Gegenwart zu seinen Autoren zählt, umkreist diese Vision auf Edge.org mit hunderteinundzwanzig Antworten. Wir drucken die interessantesten in diesem Feuilleton. Anders als in Deutschland, wo die Debatte über das Informationszeitalter noch immer ein von Interessen geprägtes Palaver über Medien ist, zielt die Edge-Debatte in die Tiefe.

Wer plant was, wo, mit welchen Mitteln?
Gerade wenn man die digitale Revolution ernst nimmt, muss man die Frage stellen, wie sehr die industrialisierte Kommunikation des einundzwanzigsten Jahrhunderts unser Denken verändern wird. Der Computerpionier Daniel Hillis beschreibt, wie selbst ein so simpler Vorgang wie die Programmierung der Uhrzeit über vernetzte Computer heute von vielen Programmierern kaum noch verstanden wird. Und er folgert, mit Blick auf Klimawandel und Finanzkrise: „Unsere Maschinen sind Verkörperungen unserer Vernunft, und wir haben ihnen eine Vielzahl unserer Entscheidungen übertragen. In diesem Prozess haben wir eine Welt geschaffen, die jenseits unseres Verstehens liegt. Fachleute diskutieren nicht mehr über Daten, sondern darüber, was die Computer aufgrund der Daten vorhersagen.“
Neurobiologische Auswirkungen permanenten Multitaskings führen, wie Nicholas Carr schreibt, zu Auslagerungen, zu immer größerer Abhängigkeit von den Rechnern. Was, wenn die Entscheidungsträger nicht mehr nur Entscheidungen über Kredite und Budgets von Rechnern abhängig machen, sondern auch solche über Lebensläufe? Das Profiling wird, nach den jüngsten Vorkommnissen in Amerika, zu einem noch wichtigeren Mittel webgestützter „Pre-crime“-Analytik: Wer plant was, wo, mit welchen Mitteln? Doch was mit Terroristen funktioniert, funktioniert auch, wie ein Blick auf Cataphora.com zeigt, in Unternehmen und an Arbeitsplätzen.

Längst von der Wirklichkeit überholt
Einige der von Brockman befragten Autoren finden nicht, dass das Netz ihr Denken verändert. Andere sehen das anders. Keiner, auch keiner der Skeptiker, sehnt sich in eine Zeit vor dem Internet zurück. Aber viele machen deutlich, dass das, was wir als User erleben, in der Tat nur ein „Surfen“ ist, eine Bewegung auf der Oberfläche. Die deutsche Internet-Debatte ist auf dem Stand der neunziger Jahre. Eine digitale Avantgarde von eigenen Gnaden, die entscheiden möchte, wer dazugehört, tut so, als wäre Kommunikation im Netz nicht kinderleicht und als genügte es in einer Zeit, da selbst „Die Grauen“ im Netz unterwegs sind, einen Blog zu besitzen, um sich als Kenner auszuweisen. Das ist verständlich, weil es Politik- und Verlagsberatung verkauft, aber als angeblich progressive Haltung ist es längst von der Wirklichkeit überholt. Brockmans Jahresfrage setzt den Akkord für Fragen, die über das Dafür oder Dagegen weit hinausgehen.

Quelle: www.faz.net, 10.01.2010; (Sämtliche Texte wurden aus dem Englischen übersetzt von Michael Adrian.)

Mittwoch, 9. Dezember 2009

US-Behörden geben embryonale Stammzellen zur Forschung frei

Washington –  In den USA sind neue embryonale Stammzell-Linien für die staatliche unterstützte Forschung freigegeben worden. Die Behörden teilten am Mittwoch mit, dass sie die Nutzung von 13 Linien menschlicher embryonaler Stammzellen erlaubt hätten. Es war die erste derartige Freigabe, seit US-Präsident Barack Obama den restriktiven Kurs seines Vorgängers George W. Bush in der Stammzellenforschung revidiert hatte.
Unter Bush gab es staatliche Gelder nur für die wissenschaftliche Arbeit an solchen menschlichen embryonalen Stammzell-Linien, die vor August 2001 gewonnen worden waren. Obama erlaubte dann nach seinem Amtsantritt die staatliche Förderung der Arbeit auch an neu gewonnenen Stammzell-Linien.
Zu einer Stammzell-Linie zählen alle in vitro gezüchteten Zellen, die sich auf denselben Ursprung zurückführen lassen. Die Vermehrung von Stammzellen in Labors hat den Vorteil, dass Experimente zu verschiedenen Zeitpunkten und an verschiedenen Orten an identischem Erbmaterial vorgenommen werden können. Die Nutzung embryonaler Stammzellen ist ethisch stark umstritten, weil dazu Zellen aus Embryonen entnommen werden, die künstlich erzeugt wurden, dann aber keiner Frau eingepflanzt wurden.
Die embryonalen Stammzellen seien nach „einem ethisch erprobten Verfahren“ gewonnen worden, erklärte der Direktor der US-Gesundheitsforschungsinstitute NIH, Francis Collins. Es werde daran gearbeitet, das Angebot an embryonalen Stammzellen noch zu vergrößern.
Obama hatte den Kurswechsel am 9. März bekanntgegeben. Mediziner setzen große Hoffnungen in die Stammzellen, weil sie theoretisch Ersatz für jede Art von Körperteilen von Herz und Leber über Haut und Augen bis zu Gehirn oder Nervenzellen bilden können.


Quelle: © afp/aerzteblatt.de, 3.12.09

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Mammographie: Zwischenbilanz des Screening-Programms

Der erste Evaluationsbericht zum Mammographie-Screening in Deutschland bestätigt, dass die Früherkennung den untersuchten Frauen nützt und dass vor allem kleinere Tumoren mit guten Heilungschancen gefunden werden. Drei Viertel der beim Screening entdeckten Tumoren haben noch nicht gestreut, bei den ohne Screening entdeckten Fällen nur die Hälfte. Auf jeden beim Screening aufgespürten Tumor kommt derzeit eine unnötige Biopsie.
Bei fast allen Qualitätskriterien erfüllt Deutschland die strengen Anforderungen der europäischen Leitlinien zur Qualitätssicherung, allerdings ist die Teilnahmequote zu gering. Auch die Qualität des Screenings variiert noch stark. Es gibt etliche Zentren, die hinter den Anforderungen zurückbleiben. Welche das sind, sagt der Bericht nicht. Denkbar ist, dass in einigen von ihnen auch neben dem Screening viel mammographiert worden ist und noch immer wird. Diese grauen Mammographien verringern die Zahl der beim Screening entdeckten Tumoren und drücken die Erkennungsrate unter den in den europäischen Leitlinien geforderten Wert. In der Einführungsphase blieben 42 der 77 analysierten Screening-Einheiten hinter diesem Wert zurück.
Ohne Mammographie-Screening wird bei zwei bis drei von tausend Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Brustkrebs entdeckt, mit Screening bei sieben bis acht. Während der dreijährigen Einführungsphase wurden insgesamt 10 641 Karzinome entdeckt. 77 Prozent waren kleiner als zwanzig Millimeter und bei dieser Größe noch nicht tastbar. Bei Frauen mit kleinen Tumoren, die nicht gestreut haben, seien die Chancen, vollständig geheilt zu werden, besonders gut, sagte Karin Bock, Leiterin des Referenzzentrums Mammographie Südwest, bei der Vorstellung des Berichtes. Die betroffenen Frauen würden zudem von einer schonenderen und meist brusterhaltenden Therapie profitieren. Ob dadurch auch die Brustkrebssterblichkeit in Deutschland gesenkt werde, könne erst in ein paar Jahren gesagt werden.

Derzeit das beste Vorsorgeinstrument
Weil sich das Mammographie-Screening an Frauen richtet, von denen die meisten keinen Brustkrebs haben, soll durch die Untersuchung auch kein Schaden entstehen. Laut Bericht mussten 53 von tausend untersuchten Frauen wegen eines unklaren Befunds wieder einbestellt werden. 50 folgten der Einladung. Bei sechzehn Frauen wurde eine Gewebeprobe entnommen. Bei der Hälfte bestätigte sich der Verdacht auf Brustkrebs. Diese Zahlen spiegeln einen bundesdeutschen Mittelwert. Bei einigen Zentren war die Bilanz deutlich schlechter.
Vorgestellt wurde der Bericht vom Gemeinsamen Bundesausschuss und von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Der Gemeinsame Bundesausschuss bestimmt den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie begleitet, zertifiziert und evaluiert das Mammographie-Screening in Deutschland. Rainer Hess, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, zog bei der Vorstellung eine positive Bilanz. Der Bericht widerlege die Zweifel am medizinischen Nutzen dieses seit 2005 in Deutschland angebotenen Programms und unterstreiche anhand belastbarer Daten den Mehrwert für die teilnehmenden Frauen, so Hess. Das in Deutschland flächendeckend eingeführte Screening sei das derzeit beste Instrument, eine Brustkrebserkrankung möglichst frühzeitig zu entdecken und die Heilungschancen durch eine schnelle und zielgerichtete Behandlung zu verbessern.
Vier Jahre Aufbauarbeit
Der Bericht beschreibt die ersten drei Jahre des deutschen Mammographie-Screenings. Er listet die Daten von 77 Einheiten auf. Die restlichen siebzehn der insgesamt 94 Screening-Einheiten arbeiten erst seit einigen Monaten. Dass es mehr als vier Jahre Zeit gekostet hat, in Deutschland eine Flächendeckung zu erreichen, hat mehrere Gründe. Mit zehn Millionen anspruchsberechtigten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren habe man hierzulande das größte Früherkennungsprogramm für Brustkrebs innerhalb Europas aufbauen müssen, so Wolfgang Aubke, stellvertretender Vorsitzender des Beirates der Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Außerdem sei das deutsche Gesundheitswesen dezentral organisiert, für das Screening habe man aber auch zentrale Strukturen benötigt. Schließlich habe man ein einheitliches Einladungssystem entwickeln müssen. Auch das habe Zeit gekostet. In der Einführungsphase lag die Einladungsquote nur bei 52 Prozent der Anspruchsberechtigten.
Schwierigkeiten gab es auch bei der Vergabe von Screening-Identifikationsnummern. Die Einwohnermeldeämter geben den einladenden Stellen die personenbezogenen Daten nur für die jeweilige Einladungsrunde. Danach werden die Daten gelöscht und bei der nächsten Runde wieder zur Verfügung gestellt. Ändern Frauen zwischen zwei Einladungen ihren Familiennamen oder werden vom Einwohnermeldeamt nicht alle Vornamen weitergegeben, werden neue Identifikationsnummern angelegt und die Ergebnisse der früheren Reihenuntersuchung nicht mit denen der späteren in Beziehung gesetzt. Die Einladungszahlen werden dadurch über-, die Teilnehmerraten unterschätzt.
Nachgebesserte Softwaresysteme
Während der Einführungsphase hat nur die Hälfte der eingeladenen Frauen am Screening teilgenommen. Die europäischen Leitlinien fordern aber eine Teilnehmerrate von 70 Prozent. Dieser Wert sei in den anderen europäischen Ländern auch erst nach einigen Screening-Runden erreicht worden, so Karin Bock. Die deutschen Frauen stünden dem Programm grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, wie Befragungen gezeigt hätten. Vermutlich werde die Zahl auch noch durch graue Mammographien und Mammographien bei unklarem Tastbefund gedrückt.
Weitere Schwierigkeiten gab es bei der Datenverarbeitung. In den Screening-Einheiten werden zwei verschiedene Softwaresysteme verwendet. Eines stammt noch aus dem bayerischen Mammographie-Screening, das zunächst unabhängig von den anderen Bundesländern betrieben und erst vor zwei Jahren in das gesamtdeutsche Programm überführt wurde. Das andere ist für das nationale Programm entwickelt worden. Beide Softwaresysteme stammen aus einer Zeit, in der noch nicht klar war, welche Abfragen aus der Datenbank für die Evaluation des Screenings tatsächlich erforderlich sind. Die Softwaresysteme waren zunächst so angelegt worden, dass zwar die einzelnen Reihenuntersuchungen aufgerufen werden können, dass aber keine kumulative Auswertung zu Tumorgröße und Tumorstadium möglich war. Diese Auswertung erfolgte dann zum Teil per Hand. Die Softwaresysteme sind inzwischen nachgebessert worden.
Der Evaluationsbericht ist unter www.mammo-programm.de zu finden.

Donnerstag, 20. August 2009

Schonend operieren bei Kieferbruch

Ein endoskopisches Verfahren verringert die Verletzung des Gesichtsnervs

Abbrüche des Gelenkfortsatzes vom Unterkiefer zählen zu den häufigsten Knochenfrakturen, die der Kieferchirurg zu behandeln hat. Die traditionellen Behandlungsverfahren bergen Nachteile, die ein neuer Ansatz vermeidet, der maßgeblich an der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Freiburg entwickelt wurde…
Früher wurden die Zähne für sechs Wochen mit Drähten zusammengebunden, bis der Bruch verheilt war – leider oft in Fehlstellung. Später entwickelte man einen Eingriff, bei dem das Operationsfeld von außen über einen Hautschnitt vor dem Ohr freigelegt wurde. Der Gesichtsnerv, der Nervus facialis, ist jedoch in Gefahr, da er genau hier verläuft. … Beim endoskopischen Verfahren operiert man über die Mundhöhle. Der Zugang ist nicht größer als bei der Entfernung eines Weisheitszahnes. …Die neue Methode ist anspruchsvoll – der Chirurg benötigt eine gewisse Übung, bis er mit dem Instrumentarium und dem besonderen Zugang zum Gelenkfortsatz zurechtkommt. Weltweit wird es derzeit an etwa zehn Kliniken angewandt.


(Quelle: FAZ, 27.05.09)