Donnerstag, 24. September 2009

Der schriftlich geäußerte Wille des Patienten soll verbindlich sein

Der Bundestag beschließt den Stünker-Antrag/"Die Freiheit der Person ist unverletzlich"

Der Bundestag hat am Donnerstag ein Gesetz beschlossen, das Patientenverfügungen ohne Einschränkung als verbindlich erklärt, sofern sie in schriftlicher Form vorliegen. Auf Art und Stadium der Erkrankung kommt es dabei nicht an. Liegt keine solche schriftliche Verfügung des Patienten vor, soll wie bisher sein mutmaßlicher Will ermittelt werden. ...
In der vorausgehenden Debatte begründete Stünker seinen Gesetzentwurf damit, dass die Freiheit der Person nach Maßgabe des Grundgesetzes unverletzlich sei. Jeder habe das Recht, seiner Krankheit ihren natürlichen Verlauf zu lassen.
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Gegen Bosbach (Lebenserhaltende Maßnahmen dürfen nur dann abgebrochen werden, wenn entweder eine unheilbare, tödlich verlaufende Krankheit festgestellt würde oder der Patient auf Dauer bewusstlos wäre) wandte er ein, das Grundgesetz verlange nicht, das Leben eines Menschen so lange wie möglich zu erhalten. Wenn ein Patient sich nicht mehr äußern könne, müsse ein Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen mit einer Patientenverfügung auch für den Fall erwirkt werden können, dass die Krankheit nicht irreversibel tödlich verläuft oder ein dauerhafter Verlust des Bewusstseins vorliegt....
Der Abgeordnete René Röspel (SPD), der den Bosbach-Antrag unterstützte, verwies darauf, dass sich scheinbar unverrückbare Positionen eines Menschen unter dem Eindruck einer Krankheit ändern könnten. Es gebe Fälle, in denen man den Willen einer mittlerweile erkrankten Person erfülle, indem man gegen ihren früheren Willen verstoße. Röspel plädierte deshalb dafür, die Reichweite von Patientenverfügungen zu beschränken....
Der Abgeordnete Zöller (Patientenverfügungen sind wirksam, egal ob schriftlich oder mündlich geäußert; der aktuelle Wille des Patienten muss ermittelt werden) sagte, der von ihm initiierte Gesetzentwurf regele nur das Notwendigste, um für die derzeitige "gute Praxis" auch die nötige Rechtssicherheit zu schaffen. Sein Vorschlag sei "von Anfang an als Mittelweg angelegt gewesen". Es gehe darum, Lebensschutz und Patientenautonomie gleichermaßen Rechnung zu tragen....Zöller warnte mit Blick auf den Entwurf Stünkers, dieser schreibe eine buchstabengetreue Ausführung einer Patientenverfügung vor.
Der Abgeordnete Hüppe begründete seinen Antrag, kein Gesetz zu verabschieden, mit dem Zweifel, ob ein Gesetz die Situation besser mache, als sie gegenwärtig sei. Man könne nicht mit einem Gesetz regeln, was nicht zu regeln sei. ... "Das Sterben kann man nicht per Gesetz regeln"

Quelle: FAZ, 19.06.09

Simulator für Kardiologen

Die Physikerin Ulrike Kornmesser entwickelt Simulatoren für die Arbeit am Herzen

Kornmesser entwickelt die Simulationssysteme für kardiologische Eingriffe, "ein Flugsimulator für angehende Kardiologen", wie sie es selber nennt, und sie ist seit sechs Jahren selbständig. Hier im Mannheimer Gründerzentrum Mafinex ist sie einer der wenigen Frauen überhaupt, und "die Einzige, die keine Dienstleistungen anbietet". ... Bei ihrem Produkt handelt es sich um ein umfassendes System zur Simulation und zum Erlernen von kardiologischen Eingriffen: Auf einer Trage liegt ein Dummy, bedeckt mit einem Tuch, darüber zwei Monitore in Augenhöhe, auf denen der angehende Operateur den Weg des Katheters durch die imaginären Venen verfolgen kann. Dazu das Operationsbesteck, drei Fußschalter und mehrere Joysticks. Um die 100 000 Euro kostet so ein System. Und hier beginnt der zweite Teil von Kornmessers Geschichte. 100 000 Euro snd nämlich zu viel für die meisten Krankenhäuser und Ärzte, der Absazu gestaltet sich schwierig. Man mag es kaum glauben, aber kardiologische Eingriffe werden heute in Deutschland am Patienten geübt. Und zu den Sparzwängen kämen professionelle Eitelkeiten. Erfahrene Ärzte würden auf ihre Künste als Lehrmeister vertrauen und dem neuen System misstrauen. Dabei sei auch in der Simulation ein erfahrener "Pilot" unabdingbar, um das Handwerk zu lernen. Mit einem kleinen Unterschied: "Bei uns geht es nicht gleich um Leben und Tod."

Quelle: FAZ, 08.06.09

Donnerstag, 27. August 2009

Besser zur Frau Doktor gehen

Der Ärztemangel lässt sich nur über einen steigenden weiblichen Antgeil beim medizinischen Personal beheben. Doch dazu bedarf es einer familienfreundlicheren Studier- und Arbeitswelt

Die Antwort auf den Ärztemangel ist weiblich: Rund sechszig Prozent aller Erstsemester im Fach Humanmedizin sind mittlerweile Frauen. Und auch bei den frischgebackenen Ärzten, die sich gleich nach dem Studium der Krankenversorgung widmen, überwiegt das weibliche Geschlecht.
Nach diesem Frühstart ziehen sich viele Ärztinnen allerdings wieder aus dem Berufsleben zurück. Bundesweit besteht das ärztliche Personal von Kliniken und Praxen nur zu etwa vierzig Prozent aus weiblichen Angestellten. Dieser Anteil könnte aber in den näcshten Jahren weiter ansteigen. Denn seit den neunziger Jahren beobachtet man einen langsamen, aber stetigen Zuwachs der Ärztinnenquote. Lag diese Mitte der neunziger Jahre noch bei 35 Prozent, betrug sie 2008 bereits 41,5 Prozent.
Seltensheitswert besitzen Medizinerinnen bislang allerdings noch in Forschung und Lehre. Und noch dünner wird die Luft für das weibliche Geschlecht auf den obersten Etagen der Medizinerhierarchien: Chefarztsessel und Lehrstühle sind nur extrem selten mit Ärztinnen besetzt. ...
Maßgeblich für diesen Missstand sind laut Frau Bühren (Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes) die - mit wenigen rühmlichen Ausnahmen - familienfeindlichen Arbeitsbedingungen an deutschen Kliniken und Praxen....
Wie ein solches familienfreundliches Umfeld aussehen sollte, hat der Ärztinnenbund in drei Checklisten - "das familienfreundliche Krankenhaus", die "familienfreundliche Niederlassung" und "Studieren mit Kind" zusammengetragen....
Unverhoffte Unterstützung erhält der Deutsche Ärztinnenbund in seinem Bemühen von einigen medizinischen Fachgesellschaften, die bislang größtenteils ebenfalls männlich beherrschte Territorien darstellen. Allen voran springt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie den Kolleginnen zur Seite - ausgerechnet, möchte man sagen. Denn die operierende Gilde galt bislang als eine der frauenfeindlichsten medizinischen Zünfte....
Dass sich nur so wenige Ärztinnen für die Chirurgie entscheiden, hat eine Vielzahl von Gründen. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die mit einem Familienleben nur schwer vereinbaren Arbeitszeiten...

Gesucht: Arzt/Ärztin in Bayreuth

Junges international anerkanntes medizinisches Speziallabor mit Transfusionsmedizinischer Praxis in Bayreuth sucht
gut ausgebildeten Arzt/gut ausgebildete Ärztin
zum nächstmöglichen Termin, Teilzeit evtl. möglich.

Dienstag, 25. August 2009

Mädchen lesen und zweifeln gern

Studie über geschlechtbedingte Leistungsunterschiede

Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen nehmen im Laufe der Schullaufbahn zu. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD-Studie "Equally prepared for life? How 15 year-old boys and girls perform in school"...
Am Ende der Grundschulzeit erzielen Jungen und Mädchen in Mathematik fast die gleichen Ergebnisse, das ändert sich jedoch in der weiterführenden Schule mit zunehmendem Alter merklich. Bei der Erhebung der Pisa-Studie im Alter von 15 Jahren schneiden Jungen in fast allen untersuchten Ländern besser ab als Mädchen. Bedenklich ist, dass sich die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Schülern in den letzten Jahren nicht etwa abgeschwächt, sondern verstärkt haben. Beim Lesen sind Mädchen schon in der Grundschule den Jungen überlegen. Dieser Unterschied verstärkt sich in der weiteren Schullaufbahn und ist in den Ergebnissen der Pisa-Studie ebenfalls deutlich zu erkennen. Dieses Muster spiegelt sich auch in der Motivation und den Einstellungen der weiblichen und männlichen Schüler zu den verschiedenen Fächern wider: Mädchen lesen deutlich lieber als Jungen, sind aber gleichzeitig stärker um ihre Leistungen in Mathematik besorgt und entwickeln kein sicheres Zutrauen zu ihren eigenen Fähigkeiten.
Die QECD-Studie schließt daraus, dass diese Unterschiede eher auf Stereotype als auf unterschiedliche Begabung zurückzuführen sind. ...
Selbst die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg und Beruf scheint der Studie zufolge mehr von Stereotypen als von den tatsächlichen Fähigkeiten abhängig zu sein. ...
Lehrer müssten sich der Erwartungen, die sie gegenüber ihren Schülern haben, bewusst werden. Sie müssten Strategien entwickeln, um das Selbstbewusstsein und die Motivation ihrer Schüler in ihren schwachen Fächern zu stärken. ...
Von der Auflösung der Koedukation, des gemeinsamen Unterrichts, halten die Autoren der Studie wenig. Sie plädieren vielmehr dafür, die Gleichberechtigung im Unterricht in dem Sinne zu stärken, dass die einzelnen Schüler stärker gefördert werden.

(Quelle: FAZ, 27.05.09)

Die Zutaten für eine optimale Versorgung

In der Chirurgie sind Wissen und Training trotz verfeinerter Technik wichtiger denn je

Menschlichkeit und technisch geprägte Medizin scheinen sich auf dne ersten Blick auszuschließen. Was für die intensivmedizinische Versorgung am Lebensende durchaus gelten mag, trifft für die Chirurgie nicht zu....
Kleinere Schnitte, bessere Zugangswege, Navigationshilfen, Lasertechniken und Robotik ...haben die Grenzen der Chirurgie immer weiter gesteckt und vielen Kranken zu einem menschenwürdigeren Leben verholfen. ...
Anders als Arzneimittel durchlaufen chirurgische Innovationen kein Genehmigungsverfahren. Es muss also nicht gezeigt werden, dass sie besser oder sicherer sind als andere Verfahren.

Ein anderes Risiko für Patienten stellen schlechte Anatomiekenntnisse in der Unfallchirurgie dar (laut Hartmut Siebert, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie):
In Deutschland werden Lehrstühle für Anatomie zunehmend mit Zellbiologen besetzt. Heute sind viele Ordinarien Biologen und keine Mediziner. Die Vermittlung der makroskopischen und topographischen Anatomie gerät dadurch immer mehr in den Hintergrund. ...
Wie fatal schlechte Anatomiekenntnisse für ein operatives Fach sind, machte Siebert an der Situation im Schockraum deutlich. Dort gelte: "Treat first, what kills first." Dafür müsse der behandelnde Chirurg aber in der Lage sein, die Verletzungen des Unfallopfers zu gewichten. Ohne genaue Kenntnisse der Anatomie sie das kaum möglich....
Über die Verwendung von Simulatoren in der Chirurgie sprach Richard Satava vom University of Washington Medical Center in Seattle. In den Vereinigten Staaten darf kein Chirurg diese Facharztbezeichnung führen, ohne ausreichend lange am Simulator trainiert zu haben. Auch die Kliniken sind verpflichtet, laufend Weiterbildungen am Simulator anzubieten....
Untersuchungen hätten gezeigt, dass weniger Fehler gemacht würden, wenn die Chirurgen unmittelbar vor dem Eingriff eine fünfzehnminütige Aufwärmphase am Simulator absolvieren würden. Die Ärzte seien dann von Anfang an konzentrierter, sagte Satava. Am Simulator lässt sich offensichtlich auch gut erkennen, welcher Student für ein operatives Fach geeignet ist. Einigen fehlt es an der nötigen Fingerfertigkeit oder der richtigen Koordination zwischen den Händen und den Augen. Diesen Studenten kann man von Anfang an nur zu einer anderen Spezialisierung raten.
Allerdings bestehen derzeit noch zwei Schwierigkeiten. So kann am Simulator noch kein haptisches Erleben vermittelt werden. Wie sich ein Gewebe anfühlt, merkt man nur im Operationssaal und nicht am Computer. Außerdem fehlt es an unterschiedlichen anatomischen Modellen. Es reicht nicht, nur an jungen und gesunden Körpern zu trainieren, wenn man im Alltag vor allem alte und multimorbide Patienten operieren muss. In Deutschland wird derzeit noch kaum mit Simulatoren gearbeitet.

(Quelle: FAZ, 06.05.09)

Montag, 24. August 2009

Prof. und friends

Digitale Sprechstunden

An der Universität Stanford werden Sprechstunden bei "Facebook" angeboten. Das funktioniert so:
Professoren stellen Videos mit Kommentaren zu ihren Seminaren auf die Internetseite, die öffentlich und kostenfrei zugänglich ist. Studenten registrieren sich, können die Videos abrufen und zu einer vorher bestimmten Zeit, zu der die Professoren verfügbar sind, Fragen stellen, die dann wiederum durch Videobotschaft beantwortet werden. Indem Studenten sehen, wie Professoren ihre Forschungen erklären, werde eine persönliche Verbindung geschaffen, die ein Lernen und Verstehen ermögliche, das die bloße Lektüre allein nicht erreichen könne. Auch könnten so Studenten von wissenschaftlichen Ideen profitieren, selbst wenn sie gar nicht für das entsprechende Seminar eingeschrieben seien, sondern nur kurz auf der Internetseite vorbeischauten. Für die Professoren habe dies den Vorteil, mit neuen, unerwarteten Fragen konfrontiert zu werden. Die ersten Schritte in Richtung digitale Lehre sind getan.

(Quelle: FAZ, 13.05.09)